Auf der Suche nach einem besseren Leben - Auswanderung aus Österreich
Aus: "... nach Amerika", Ausstellungskatalog
zur Burgenländischen Landesausstellung, 1992
afrika zu leben. Er war einer von vielen, die in den Zwischenkriegsjahren Österreich verließen.
Nur wenige von ihnen waren von Abenteuerlust getrieben, die meisten hegten die Hoffnung, in einem anderen Land bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu finden
Nach dem Ersten Weltkrieg war Österreich von der Vielvölkermonarchie zu einem Kleinstaat geworden, an dessen Lebensfähigkeit anfangs niemand glaubte. Österreich verblieben rund
12% des Gebiets der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Bedeutende ehemalige Wirtschaftsstandorte waren für immer verloren gegangen und der junge Staat stand vor großen wirtschaftlichen Problemen. Soziale Not, Armut, Inflation, eine hohe Zahl von Arbeitslosen sowie fehlende Zukunftsaussichten prägten das Alltagsleben.
Ein hoher Prozentsatz der auswanderungswilligen ÖsterreicherInnen stammte aus dem Burgen-
land, das nach der Eingliederung in die Republik Österreich mit besonderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
Die Hoffnung auf ein Leben in relativem Wohlstand bewegte viele, Österreich zu verlassen, wobei die klassischen Auswanderungsländer die größte Anziehungskraft verzeichneten. Die Vereinigten Staaten wurden als das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" angesehen und waren somit be-
liebtestes Ziel der EmigrantInnen. Als die USA jedoch 1924 ein Quotengesetz zur Regelung der Einwanderung einführten, wandte sich der Auswandererstrom nach Lateinamerika, Afrika und andere Länder.
sie als eine Maßnahme zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit in Österreich diente. Österreichische Vertretungsorgane im In- und Ausland bemühten sich, eine vermehrte Aufnahme von ÖsterreicherInnen in verschiedenen Ländern zu erreichen und staatliche Stellen unterstützten die EmigrantInnen.
In Wien eröffnet 1920 das Staatsamt für Inneres und Kultus ein "Wanderungsamt", das einerseits zur Beratung und Hilfestellung für Auswanderungswilligen dienen, andererseits, die in der Weltwirt-
schaftskrise bedrückende Massenarbeitslosigkeit durch gezielte und geförderte Auswanderung mildern sollte. Die Behörde bot Informationen über die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, Arbeitsmöglichkeiten und Aufnahmekapazitäten in den Zielländern, wirkte aber auch den allzu großen Illusionen vieler Menschen über eine mühelose Schaffung einer neuen Existenz in einem fremden Land entgegen.
Aus: Wiener Zeitung, 29.7.1920
Literatur:
Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchin und Landesbibliothek: ... nach Amerika. Burgenländische Forschungen, Sonderband IX, 1992.
Gudrun Exner, Josef Kytir, Alexander Pinwinkler: Bevölkerungswissenschaft in Österreich in der Zwischenkriegszeit, 2004.
Just Wolfgang, Auswanderung und Auswanderungspolitik in der Zwischenkriegszeit (1918-1938). Diplomarbeit Wien, 1977.
Traude Horvath, Gerda Neyer. Auswanderungen aus Österreich: von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. 1996.


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